Schreibwerkstatt

Sprachgebrauch


Ich saß in der Kneipe.
Am Nebentisch ein Mädchen mit einem jungen Mann.Ich schnappte einen Satz von ihr auf: "Ich kann das nicht, ich bin ja psychisch krank." Da kam ich ins Grübeln. Wer hat ihr das gesagt? Wer hat diesem Mädchen gesagt, sie kann das nicht, weil sie psychisch krank ist?
Jetzt denke ich über Sprache nach. Gibt es in der Psychiatrie, in Einrichtungen, im betreuten Wohnen eine besondere Sprache? Oder, weiter gefasst, haben Sozialarbeiter einen bestimmten Sprachcode? Einen Satz, wie: "Wie geht es Ihnen dabei?", habe ich an der Theke noch nie gehört. Aber wohl im Büro des Psychologen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass er ihn nach Feierabend nicht gebraucht. Die Freundlichkeit, die Zugewandtheit, können die immer echt sein? Gut gemeint bestimmt. Aber vor allem professionell, Man kann nämlich hinter verschlossenen Türen auch einen Seufzer hören und “Was geht der mir auf die Nerven!" Klar ist das. Menschen nerven andere Menschen eben oft. Aber Sozialpädagoge fährt nun einmal nicht aus der Haut. 


Worte, Fachausdrücke. Ein Ingenieur braucht sie für seine Arbeit. Braucht sie auch ein Sozialarbeiter? Man sollte meinen, Menschen könnten ganz normal mit einander reden. Im Bild der Psychiatrie sind manche Menschen aber nicht normal. “Ich kann das nicht ich bin ja psychisch krank." Hat das Mädchen recht? Ich kenne nicht wenige Menschen, die es genießen, wenn man sich besonders um sie kümmert, wenn sich diese Zuwendung auch durch Worte ausdrückt. Warum sollen sie sie nicht bekommen?! Und lange nicht jeder ist so empfindlich, wie was Sprache angeht. Die Betreuerin sagt nach dem gemeinsamen Kochen: "So, Herr Stoffel, Sie dürfen jetzt den Topf spülen." Aha, ich darf. Das bedeutet jawohl, ich muss nicht. Als ich das äußerte, lerne ich, dass "dürfen" hier durchaus "müssen" bedeutet. Warum sagt sie das nicht gleich? Eine Kleinigkeit, aber ich glaube, da steht eine Haltung dahinter. Lernen sie das an der Uni? Ich weiß es nicht, was sie da lernen.


Es ist an der Zeit für uns Klienten, selbstbewusster zu werden. Stigmatisierung fängt immer mit Worten an, die jemand in den Mund nimmt. So lange da niemand widerspricht, muss man nicht darüber nachdenken

Zum Schluss eine kleine Denkaufgabe. Was fällt Euch an diesem Satz auf:


“Die sind ja ganz normal."


Martin Stoffel

Hallo,

 

Ihr hat auch super tolle Texte die wir uns mal ansehen sollen?

Ihr wollt auch mal so reichtig schreiben?

Tija... dann machts doch!

Postet uns eure verrückten Ideen und Themen. Vielleicht zum Thema >Quatschproduckt<  - Was der Welt unbedigt noch fehlt? Oder seit ihr doch eher die Poeten?

Lasst es uns wissen!

 

lg S.d.a.h.s. FHP 10 - HEP