Frage nach dem Sinn

Martin C. Stoffels Texte aus den Abschnitt „Mit den eigenen Worten“ des Buches „10 ungehaltene Reden“

 

Eine kleine Geschichte der Welt II

Die deutsche Rockband Jesus Messerschmitt singt: ,,Sex ist meine Lieblingsdroge. Sex ist meine Religion." Hier wird Religion mit einer Droge gleichgesetzt. Das tat schon Karl Marx in seinem berühmten Zitat. Marx hat es anders gemeint. Er meint, Religion dient wie Opium zur Beruhigung der Menschen, damit sie sich nicht auflehnen. In seinem Gefolge schaffte der Kommunismus die Religion ab. Statt der Kreuze richtete man Statuen auf der Führer wie Stalin oder Tito. Der Vertreter Christi in den Weihefesten wurde der Arbeiter. Die Geschichte zeigt, dass das nicht funktioniert. Und die friedliche Revolution 1989 in der DDR kam aus den Kirchen. In der heutigen westlichen Gesellschaft findet man allerorten eine Hinwendung zum Transzendenten. Steine, Bäume, Reiki, Feng-Shui, Gurus, das Okkulte, alle Bereiche der sogenannten Esoterik, und auch christliche Sondergruppen erfahren einen enormen Zulauf.
Woran liegt das?
Ganz oberflächlich kann man sagen, dass der Mensch etwas braucht, an dem er sich festhalten kann. Über viele Jahrhunderte hinweg hat ihm das die christliche Kirche geboten, wie es in seinen Heimatliedern der Islam heute noch tut. In Europa wurden im Mittelalter Fragen an der alleinigen Wahrheit der Kirche laut. Der Humanismus stellte sie auf den Kopf. Der Humanismus ist vom Wortsinn her eine menschliche Lehre. Der Mensch stellt sich in den Mittelpunkt des Seins und verdrängt so Gott von seinem von alters her angestammten Platz. Das heißt auch, dass der Mensch Niemandem mehr verantwortlich ist, als sich selbst, oder auch dem Allgemeinwohl seiner Gemeinschaften. Hierhin fällt die Geburt der modernen Demokratien. Nun hat es sich gezeigt, dass der Mensch sich selbst kein guter Maßstab ist. Der Menschlichkeit steht der Wille zur Macht gegenüber, dem Allgemeinwohl der Kapitalismus, der nach dem Sterben von Marxens Utopie die alleinige Herrschaft über unsere Welt übernommen hat. Jetzt, da wir auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung stehen, wenden die Menschen sich dem Inneren zu. Esoterik bedeutet nicht anderes, als das ,,Innere" Der Zeitgenosse von Marx, der genauso entscheidend in unsere Entwicklung eingegriffen hat wie er, Freud, hat uns unser eigenes Inneres vorgestellt, und wir wissen jetzt, dass es ein Universum ist, so groß, wie das, welches uns umgibt. Aber die Psychoanalyse war erst der Beginn unserer Geistesreise. Der Schock der Weltkriege machte eine komplette Neuorientierung notwendig. Die Menschheit hatte ihre Unschuld verloren. Im Großen hieß das Zusammenschluss der Staaten mit dem Ziel des Weltfrieden, ausgedrückt durch die UNO. Im Kleinen aber bedeutet es die Entdeckung des Individuums, oder populärer, Selbstverwirklichung.

In den 50ern begannen Wissenschaftler und Schriftsteller wie Aldous Huxley und Timothy Leary systematisch mit Drogen zu experimentieren. LSD wurde einer breiten Masse zugänglich gemacht. Huxley’s Buch ,,Brave New World" zeigt eine von Drogen kontrollierte Welt. Doch hier sind die Helden gerade die, die sich dagegen auflehnen. Es hat aber tatsächlich Vorschläge gegeben, das Trinkwasser ganzer Städte mit Drogen zu durchsetzten, um den Bewohnern ihr Leben zu vereinfachen LSD ist nicht unbeteiligt an den Hits der Beatles, der Rolling Stones, oder der Byrds. Diese und andere Bands wurden zu den Propheten der neuen Zeit, die in der zweiten Hälfte der 60er Jahre erkennbar wurde und bis heute andauert: Das Zeitalter des Wassermanns. Das Musical ,,Hair" ist die ideale Umsetzung eines neuen Lebensgefühls, das geprägt ist durch Vietnam, Drogen, Auflehnung gegen die Elterngeneration, Sex und Esoterik. Ausgedrückt schon durch die ersten Zeilen des Anfangsstückes: ,,This ist the Dawning of the age of Aquarius" In diese Zeit fällt auch die Entstehung des anderen großen Musicals: ,,Jesus Christ Superstar" von Andrew Loyd-Webber mit den Texten von Tim Rice. Hier eine plötzliche Hinwendung zu einem biblischen Thema, ja auf Jesus selbst! Webber/Rice hatten schon zuvor über den alttestamentlichen Joseph gearbeitet, aber mit Jesus begründeten sie ihre unnachahmliche Erfolgsgeschichte, in der Werke, wie ,,Evita, ,,Cats", oder ,,Starlight Express" folgten.

Bald hatte die Hippie-Bewegung ihre christliche Fraktion, die Jesus People. Sie wurde von angestammten ,,überzeugten" Christen, die sich in den ,,freien Gemeinden" organisieren eher abgelehnt, denn gut geheißen. Diese lehnen auch ,,Jesus Christ Superstar" ab. Etwas, das in den Charts ist, kann nur Blasphemie sein, so die vorherrschende Meinung. (So ergeht es übrigens heutzutage auch Sängern wie Xavier Naidoo, oder in den 80ern Bob Dylan.)
Aus den Jesus People der späten 60er Jahre gingen Bewegungen hervor, wie Zum Beispiel die Calvary Chapel (Calvary ist ein anderes Wort für Golgatha), die heute weltweit Gemeinden hat. Von dem alten Hippiegeist ist dort aber nicht mehr viel übrig. Sie sind jedoch unglaublich anziehend für Leute, denen die Kirchen zu muffig sind. So haben wir zwei Strömungen: Die des Wassermanns und die des Fisches. Laut der uralten Überlieferung des jüdischen Kalenders wird im dritten Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung das Weltzeitalter des Fisches durch das des Wassermanns abgelöst. Der Fisch ist das Erkennungszeichen der ersten Christen im Untergrund. In seinem Namen findet man Christus (Ychtos). Wer heute einen Fisch auf sein Auto klebt, zeigt der Welt, dass er Christ ist. Das Zeitalter des Fisches wiederum, in dessen Anfangszeit, die Geburt Jesu Liegt, folgte auf das des Steinbocks, das Zeitalter der großen Führer und Helden.

(Zur Illustration sei erwähnt, dass sowohl Moses, als auch Alexander der Große
in der Kunst mit Hörnern dargestellt wurden.)

Wir stehen am Beginn des Weltzeitalters des Wassermanns. Solch ein Zeitalter dauert ungefähr 2000 Jahre. Wenn die Welt nicht vorher ein Ende nimmt. Was durchaus sein kann. Es gibt genug Propheten, die es verkündigen. Nur zu nennen Stephen Hawking mit seiner Prognose, dass wir die nächsten 500 Jahre nicht überleben werden. Es gibt auch diejenigen, die der Welt gerade jetzt alle Chancen geben. So Fritjof Capra mit seinem Esoterik Klassiker ,,Wendezeit". Viele Menschen sind der jetzigen Zeit dankbar, die ihnen alle Möglichkeiten zum Wachstum gibt – nach Innen und nach Außen. Da haben wir den Humanismus wieder. Dem Menschen ist erlaubt zu tun, was er tun kann. Beispiel die Diskussion um Embryonenforschung, deren Ausgang absehbar ist. Und sollten wir diesen Planeten wirklich in Schutt und Asche gelegt haben, bevölkern wir einfach den Nächsten. Wir sind ja schon auf dem Titan gelandet. Und der hat eine Atmosphäre. Gott spielt bei diesen Überlegungen kaum eine große Rolle, sollte er sich nicht nachdrücklich Gehör verschaffen. Am 12.September 2001 fragte die Bildzeitung: ,,Gott, Wo warst du?" Aber wurden die Attentate nicht im Namen Gottes ausgeführt? Eines Gottes, der allerdings auf den Namen Allah hört. Es gibt Leute, die die Flutkatastrophe in Asien als Strafe Gottes ansehen. So wurde auch von AIDS gesprochen. Es gibt Leute, die sagen, es wird noch schlimmer kommen, denn wir haben Strafe verdient. Bei den düsteren Aussichten, die uns vorgezeichnet werden, birgt die Apokalypse des Johannes echte Chancen!

So bleibt die Frage: Liegt es in unserer Hand, den Fortgang dieser Erde bis zum Letzten auszuhandeln, oder doch in denen eines Anderen, den ich Gott nennen will. Die gesamte biblische Offenbarung bietet eine Möglichkeit, die, wenn man an sie glaubt, aus berufenem Mund kommt. Aus diesem Mund ragt in dem Text des Johannes ein Schwert, und dessen Name ist Wahrheit und Wort. Das allerdings ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt sein will. Was wirklich einmal geschehen wird mit uns, werden wir alle sehen. Und wir werden uns der Wahrheit stellen. Sei es hier, oder auf dem Titan, oder vielleicht auf der Venus.

Martin C. Stoffel 22.1 .05/4:10

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