Liebe mit Hindernissen

Liebe in Psycho

 

Jeder Mensch wünscht sich erfüllte Liebe. Psychisch Kranke vielleicht noch mehr, als andere. Denn eine Partnerschaft bedeutet ein Stück Normalität. Nun ist die Partnersuche für Behinderte besonders schwierig. Sogenannte Normale haben ihre Vorstellung, wie ein Lebenspartner sein sollte. Und das ist in der Regel nicht ein Kranker.

So kommt es, dass Psychos meistens untereinander Beziehungen haben. Mit vielen Problemen, die ihr gemeinsames Leben mit sich bringt.

Oft ist man füreinander Therapeut und Pfleger.

In manchen therapeutischen Einrichtungen werden diese Beziehungen nicht gern gesehen. Sie seien nicht förderlich für einen Behandlungserfolg.

So werden uns Steine in den Weg gelegt, selbst wenn wir uns gefunden haben und wenn wir uns gefunden haben, fangen die Probleme an.

Es ist ja nun einmal so, dass für einen psychisch Kranken ein Anker wichtig ist. Den könnte er in einer Beziehung finden. Aber was, wenn der Partner selbst belastet ist? Kann der ein „Partner“ sein?

 

Man flüchtet sich in Träume. Projiziert seine Wünsche auf Psychologen und Sozialarbeiterinnen. Das sind natürlich unerfüllte Lieben. Doch sie passieren oft genug. Ein Blick, ein Wort, reichen für eine Woche Wohlbefinden. Von Seiten der Profis wird das wohl nie thematisiert, auch, wenn sie es merken. Es sei denn, meine Liebesbeweise werden so stark, dass sie ihre Ablehnung bekunden müssen. Meistens, indem sie die Beziehung beenden.

 

Ich träume von Krankenschwestern, die mich vor 20 Jahren behandelt haben. Sie haben sich in mich eingebrannt. Schwester Regina und Schwester Rita.

Sie sind die Besten.

Ich selbst habe keine Freundin. Nicht nur, weil ich ein Psycho bin, sondern weil ich nicht mehr mit Beziehungen experimentieren will.

Es sollte schon DIE FRAU sein.

Als Schriftsteller suche ich meine Muse. Eine Frau, die nicht nur gut aussieht, sondern auch was auf dem Kasten hat. Und der meine Behinderung nichts ausmacht.

Ich kann mir schlecht vorstellen, dass ich mit einem Psycho-Mädchen glücklich werde. Ich bin nicht bereit, meine Energie in ihre Krankheit zu investieren. Das mag egoistisch klingen. Aber wie heißt es: Jeder ist sich selbst der Nächste.

Jeder darf seine eigenen Schlüsse aus diesen Gedanken ziehen.

Den ersten Teil halte ich für allgemein, der zweite bin ich persönlich.

 

Bis bald,

 

Martin Stoffel

Martin C. Stoffels Texte aus den Abschnitt „Mit den eigenen Worten“ des Buches „10 ungehaltene Reden“

 

Die Lust und das Danach

Nicht den faden Nachgeschmack zu schmecken, der nicht einmal durch Zähneputzen am Morgen auszumerzen ist. Wer wünschte sich das nicht? Und doch scheint es allemal unmöglich.
Der Asket sitzt auf einem Berg in einer Hütte aus dürren Zweigen. Er isst Heuschrecken und trinkt nur Regenwasser, das er mit der Hand auffängt. Und er redete mit Gott. Da erscheint ihm eine wunderschöne Frau, die ihm alles verspricht. Eine Göttin, ein Engel, oder ein Dämon? Venus, oder Lilith.? ,,Lass alles gehen," sagt Mutter Gaya, ,,Lass alles sein!" Sie verspricht ihm das höchste Glück. Sie verspricht ihm sich.
Der Asket weiß um die Lust. Er kann sie nicht verstehen, doch er weiß um ihr Wesen, und er sieht diese Frau. Und er denkt an das Danach, wenn die Lust vergangen und die Tristesse gekommen ist. Das ist dieser Nachgeschmack, der nicht nach mehr verlangt, sondern die Frage stellt nach dem war es das wert.
Madonna singt, sie fühle sich wie eine Jungfrau, die zum ersten Mal berührt wird. Das Gefühl hat fast jeder einmal. Einmal! Wie bei Madonna ist es bei den meisten eine Erinnerung, ein Mal auf dem Weg zum wirklichen Leben. Eine Station, die man möglichst schnell passieren muss, damit man manchmal sagen kann, man fühle sich wie eine Jungfrau. Dass Jungfraulichkeit ein Wert, ein Gut ist, sogar ein Schatz - so wird das nicht mehr gesehen. Man ist nur dann etwas wert, wenn man seine Erfahrungen gemacht hat. Ein besonders schräges Argument für Sex vor der Ehe ist, man müsse Erfahrungen machen, man müsse Sex lernen, damit man später nicht erfahren muss, dass man sich gegenseitig nicht befriedigen kann. Vielleicht sollte man sich von seinen Sexualpartnern Zeugnisse ausstellen lassen, die man dann in der Hochzeitsnacht vorlegen kann. Wie viel hat das mit Liebe zu tun?
Wenn das Hymen reißt, bin ich eine Frau. Wenn nicht, bin ich nichts, kann zumindest nicht mitreden. Wenn das Kondom reißt, können wir was erzählen, und wir haben ein Problem.

In wie vielen Taschen stecken Kondome? Denn es könnte ja immer sein. Der Ausverkauf einer Sache, die einmal viel wert war. Emotionale Inflation, die von der gesamten Gesellschaft sanktioniert ist. Die Folgen sind noch nicht absehbar, aber erste Anzeichen zeigen sich schon jetzt. Die Ehe ist nicht mehr heilig. Kinder erleben oft keine Familie mehr. Beständigkeit und Treue sind out. Vier Frauen und ein Bundeskanzler. Niemand regt sich auf, oder schließt von seinem Lebenswandel auf seine Politik. Er ist der Kanzler des Designs. Für jeden Abschnitt seiner Karriere das passende Ambiente. Jetzt ist die Familie komplett. Neuerdings hat man eine Tochter, nicht mehr im Windelalter. Wird es dabei bleiben?
Ist man ohne Partner, ist man nicht komplett, und damit nicht perfekt. Und, wie läuft es mit den Frauen? Wie, immer noch nicht? - Unvorstellbar! Wenn man das Spiel nicht mitspielt, gilt man als absonderlich. Irgendetwas kann da doch nicht stimmen. Das ist doch nicht normal. Aber ist die Norm denn das Non plus Ultra? Wenn man den schalen Geschmack nicht mag, wenn man daher auf die schnelle Befriedigung verzichtet, wenn man beschließt, auf etwas zu warten, das die anderen für ein Trugbild halten, bestenfalls für einen unrealistischen Traum, ja dann ist man dumm oder Christ. In den Augen der Welt gehört das zusammen. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn man zu dumm ist für eine bauchfreie Welt mit Kondomen in der Tasche und Erdbeermündern, wenn Mutter Gaya nicht die letzte aller Wahrheiten zu bieten hat. Der Asket sitzt in seiner Hütte. Die Frau zeigt sich nicht mehr, aber er hat ihr Bild vor Augen.

Martin C. Stoffel 23.9.04/11:20

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